„Damit du Frieden hast, lehre Frieden, um ihn zu lernen.„

 

     

    Sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ich in Ostfriesland in einer Klein- & Kreisstadt geboren, im direkten Einfluss der Nordsee. Dabei standen mir in der Hauptsache das herbstliche Nordlicht sowie die Stille und Zurückgezogenheit der Ostfriesen zur Seite.
    Fortan bestimmte mich vor allem die innere Stille und mit ihr ein ZurückgezogenSein meines Wesens. In der Kindheit fiel ich mit dieser Eigenart manchmal auf, was Erwachsene zu Kommentaren hinreißen ließ wie: „Der kriegt die Zähne nicht auseinander!“.
    Mit Beginn der Pubertät und der Folgezeit glaubte ich gegen diese Charaktereigenschaften ankämpfen zu müssen, was jedoch erfolglos blieb. So benötigte ich mehr als 20 Jahre, um zu begreifen, dass meine Besonderheiten wichtige Anteile meiner Person waren und sind.

    Das Weggehen von zu Hause und das „In die Welt gehen“ gestaltete sich als schwierig, denn ich suchte in den äußeren Dingen nach dem Glück und wurde immer wieder von dem enttäuscht, was ich glaubte gefunden zu haben.
    Angestoßen durch die 68-iger Studentenbewegung wollte ich mit anderen die Welt verändern, probierte neue Formen des Zusammenlebens aus und lebte über 4 Jahre in Nicaragua, um als Krankenpfleger die Unterdrückten Lateinamerikas in ihrem Streben nach Unabhängigkeit zu unterstützen.
    Das alles war wichtig, doch fand ich „da draußen“ weder das Glück, noch wirkliches Zufriedensein und schon gar nicht meine ersehnte Freiheit.

     

    Die Folge von allem war, dass ich beschloss, nicht mehr äußerlich zu suchen, sondern – wie viele andere Menschen vor mir auch – in meinem Inneren. So ging ich der Frage nach: „Wer bin ich eigentlich?“

    Die Antwort brauchte ihre Zeit und begegnete mir auf meinem Weg in Form von Puzzleteilen. Die einzelnen Momente fand ich mit Unterstützung der jeweiligen Lehrer in der (za-zen-ähnlichen) Meditation, der Gesprächstherapie, dem Schauspielunterricht, den Ausbildungen (und somit Selbsterfahrungen) der Poesie- & Kunsttherapie, des Psychodramas, der Trauerbegleitung sowie den Weiterbildungen in Transaktionsanalyse, der Arbeit im Tonfeld (therapeutische Arbeit mit Tonerde) und noch weiteren.

    Nach diesen vielen Jahren des Unterwegsseins glaube ich nun, das Wesentliche gefunden zu haben, um mich in mir selbst Zuhause zu fühlen. Und während dieses Gefühl sich langsam ausdehnt und immer mehr Raum einnimmt, mache ich die Erfahrung, dass der (Geistes-) Frieden nur in uns selbst zu finden ist. Denn nur von dort aus kann er in die Welt gehen, sich in den Begegnungen mit ihr äußern, widerspiegeln und seinen Platz finden.

     

„Damit du Frieden hast, lehre Frieden, um ihn zu lernen.„
Aus: Ein Kurs in Wundern